Spannend, inklusive vieler Bilder und einiger Videos: LINK
Wie Erfahrungen unser Denken beeinflussen, ein Gespräch
mit dem Kognitionsforscher Markus Kiefer auf Zeit.online:
Kiefer: Wenn ich das Wort »Telefon« sage, dann »klingelt« es bei Ihnen gleichsam im Kopf. Das ist eine Simulation auf der Basis Ihrer Erfahrungen mit Telefonen, welche Ihren Begriff von diesem Gegenstand herstellt. Sie können über Ihre Erfahrungen bewusst nachdenken, aber in der Regel sind diese Simulationen unbewusst. Nichtsdestotrotz können wir mit neurowissenschaftlichen Methoden nachweisen, dass das Wort »Telefon« zu einer verstärkten Aktivierung in der Hörrinde Ihres Gehirnes führt.
ZEIT: Frühere Erlebnisse prägen also die Art und Weise, wie ich neue Erfahrungen mache?
Kiefer: Ja, unser Wissen ist plastisch und wird fortwährend modifiziert.
Eine andere Art der Facebooknutzung
wird hier vorgeschlagen:
Worin also besteht die radikale Veränderung, von der im Titel dieses Artikels die Rede ist? Ich habe aufgehört, Facebook in dem Sinne zu benutzen, in dem es gedacht ist. Ich lese den Stream nicht mehr mit. Ich ignoriere den eigentlichen Zweck, den Facebook verfolgt, das Sharen des banalen Alltags jedes Menschen mit seinen “Freunden”, der mittels der Funktion “Like” zur Pflege des eigenen Egos beitragen soll. Ich habe mein Nutzungsverhalten der hinsichtlich der Besuchszeiten und Visits ganz eindeutig größten Webseite der Welt im letzten Monat sehr gründlich analysiert. Etwa 75% der Zeit, die ich auf Facebook verbrachte, verbrachte ich damit, Postings zu lesen und anzuklicken, die von meinen Kontakten täglich geteilt wurden. Diesen Teil habe ich radikal abgeschnitten (Quelle).
Damit es Ihnen, liebe Studierende nicht so geht, wie diesen Facebooknutzern: KLICK: Wie Facebook den Notendurchschnitt beeinflusst
Werbung wirkt, im Sinne der Werbenden -
… nicht im Sinne der Kaufenden:
Der Teller mit Käsewürfeln an der Supermarkttheke erfüllt dieselbe Funktion wie der Apfelschnitz beim Obsthändler. Probieren Sie mal! Als ob wir nicht wüssten, wie Käse oder Äpfel schmecken. Stattdessen sollen wir durch Annahme der Gratisprobe eine unbewusste Verpflichtung eingehen, die wir – wie praktisch! – umgehend einlösen können. Wir müssen lediglich Ja sagen.
Jugend und Kommunikation – ein interessanter Befund
einer Soziologin:
Hunderte der Jugendlichen, die Turkle interviewte, sind einsam und fürchten sich gleichzeitig vor Nähe. Deshalb bauen sie einen elektronischen SMS- und Instant-Messenger-Schutzwall auf, treffen sich selten und telefonieren nicht, weil sie Angst davor haben, der Echtzeit schutzlos ausgeliefert zu sein. Sie sehnen sich nach Geborgenheit, nach einer Auszeit. Aber sie kommen nicht weg von ihren Zweit- und Drittidentitäten, die sie im Netz kreiert haben und pflegen müssen. Facebook ist für viele von ihnen zu einer Bestie geworden, die permanent gefüttert werden muss; zum großen Vielfraß, der Zeit, Selbstständigkeit und persönliche Begegnungen raubt.
Ein verstörender Befund, dem Daniel Miller, Ethnologe am University College in London, mit seiner Studie über das größte Soziale Netzwerk widerspricht. Miller verherrlicht Facebook nicht, aber er zeigt auf, was es jenseits aller Datenschutzdebatten an Gutem bewirken kann. Sieben Porträts von Menschen aus Trinidad, die er über Monate in ihrem Facebook-Leben begleitet hat, bilden den Kern von Das wilde Netzwerk: Da ist der schüchterne Junge, der es schafft, über das Facebook-Spiel Farmville Anerkennung in seiner Schulklasse zu gewinnen und der seine Klassenkameraden durch ihre Posts auf Facebook erst richtig kennenlernt. Da ist der alte Mann im Rollstuhl, klug und gebildet, der früher wundervolle Reden hielt und heute kaum mehr sprechen kann, auf Facebook aber Gleichgesinnte gefunden hat, mit denen er stundenlang über Politik diskutiert und seiner Einsamkeit entflieht. Und da ist Ajani, eine junge Frau, die permanent auf Facebook postet und ihr Privatleben gerade dadurch schützt, dass sie sich ständig an die Öffentlichkeit wendet.





