Neurowissenschaft und Pädagogik

In der neuesten Ausgabe von PAD Forum: unterrichten erziehen (Nr. 5/2006, S. 312 – 318) hat Gerald Hüther unter dem Titel „Von Synapsen und ihren Beziehungen“ Möglichkeiten und Grenzen der neuen Methoden  der Hirnforschung für die Erklärung und Gestaltung von Lernprozessen dar- und klargestellt, dass dies auch bedeute, „sich nicht mit den ‚bunten Bildern‘ der Hirnforschung zu begnügen, schon gar nicht, wenn es um die Gestaltung von Lernprozessen geht. Vielmehr kommt es darauf an zu verstehen, wie Hirn und äußere Umwelt miteinander ‚kommunizieren‘, wie Einflüsse von außen das Gehirn nachhaltig strukturieren, so dass sich eben auch Wirkungen auf die Möglichkeiten des Lernens ergeben“ (S. 313). Leider jedoch hat er die Konsequenzen daraus ex negativo gezogen. Demnach können diese Lernprozesse nur schwer gelingen, wenn Kinder:

  • in einer Welt aufwachsen, in der die Aneignung von Wissen und Bildung keinen Wert besitzt (Spaßgesellschaft);
  • keine Gelegenheit bekommen, sich aktiv an der Gestaltung der Welt zu beteiligen (passiver Konsum von Lernstoffen und Medienangeboten);
  • keine Freiräume mehr finden, um ihre eigene Kreativität spielerisch zu entdecken (Funktionalisierung);
  • mit Reizen überflutet, verunsichert und verängstigt werden (Überlastung);
  • daran gehindert werden, eigene Erfahrungen bei der Bewältigung von Schwierigkeiten und Problemen zu machen (Verwöhnung);
  • keine Anregungen erfahren und mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Wünschen nicht wahrgenommen werden (Vernachlässigung) (S. 317).

Wie lassen sich diese Aussagen positiv bestimmen/wenden?

Quelle:

Hüther, G. (2006). Von Synapsen und ihren Beziehungen – Neurobiologische Grundlagen des Lernens: Der neue Blick der Hirnforscher. PF:ue, 25 (5). 312-318.

Literaturtipp:

Caspary, R. (Hrsg.) (2006). Lernen und Gehirn. Der Weg zu einer neuen Pädagogik. Freiburg im Breisgau: Herder. (darin u.a. Beiträge von Gerald Hüther, Manfred Spitzer, Gerhard Roth, Elsbeth Stern)

Arme, dicke Kinder?!

Eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Institutes untersuchte 17000 Kinder und Jugendliche auf ihre Gesundheit hin und konnte dabei große Unterschiede zwischen armen und reichen Familien feststellen. Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth nannte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Interventionsmöglichkeiten:
„Helfen könnte die Einführung von Ganztagsschulen für Kinder aus allen sozialen Schichten. Dort kann man den Kindern nicht nur gesundes Essen anbieten, sondern ihnen auch das Kochen beibringen – in vielen Familien, gerade in benachteiligten, wird fast nie selbst gekocht. Und man kann ein Bewegungsprogramm für die Kinder festlegen. Broschüren bringen dagegen nichts: Sie werden nämlich gerade in den Familien, die man erreichen will, nicht gelesen.“

Weitere Informationen unter: www.kiggs.de

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