Über Motivation

Es ist nicht einfach mit der Motivation….

Ein spannender Beitrag von Lisa Rosa: LINK

Es ist erstaunlich, dass der Begriff der Motivation – der zugleich den Zustand der Bewegtheit und das Bündel an Gründen für diese Bewegtheit bezeichnet – zwar als Schlüssel in der Bildung gesehen, das Bewegtsein also als wichtige Voraussetzung des Lernens angenommen wird, den einzelnen Motiven selbst und ihren Bedingungen, die diese Bewegtheit überhaupt erst ermöglichen, hingegen kaum Beachtung geschenkt wird. Sind sie denn nicht die Treiber, also die Elemente, auf die es ankommt? Stattdessen wird bloß in motiviert/nicht motiviert (bzw. wenig / hoch motiviert) unterschieden. Motivation (Bereitschaft, Aufgeschlossenheit, Begeisterung) für das, was zu tun verlangt ist, wird in vielen didaktischen Konzepten einfach vorausgesetzt. Wo nicht, erscheint sie entweder als Bringeschuld der Schüler oder als Arbeitsleistung der Lehrer, die die Schüler „motivieren“ sollen. Für jeden Schulpraktiker ist es Alltagserfahrung, dass es sich bei Motivation zwar um einen – wenn nicht den – Schlüssel für gelingende Lehr-Lernprozesse handelt, seine Herkunft und Beschaffenheit aber noch immer ein großes Geheimnis ist. Wie kommt’s?

Besser in der Schule, dank Verzicht auf’s zweite Marshmallow?

Ein spannender Beitrag zu einem bekannten Experiment: LINK

Die Fähigkeit – oder Unfähigkeit – zur aufgeschobenen Bedürfnisbefriedigung bei Vier- bis Sechsjährigen erwies sich als zuverlässiger Indikator für den Erfolg oder Misserfolg im späteren Leben. Wer als Fünfjährige in der Lage war, bis zu 20 Minuten zu warten, um zwei Marshmallows zu bekommen, hatte in der Regel bessere Schulnoten und war in der Ausbildung und im Beruf erfolgreicher, neigte weniger zu Übergewicht oder Fettsucht, hatte weniger Drogenprobleme und war auch in Sachen sozialer Interaktion, Freundschaften und Familie stabiler und glücklicher.

Ob’s wirklich so einfach ist? Was denken Sie?

Ein Gespräch mit Jesper Juul im Freitag vom 15. März 2012

Aus einem Gespräch mit Jesper Juul (gut zu sehen, dass die Aussage: „Du schaffst das schon!“ nicht wirklich hilfreich ist…):

Die Frage war aber: Wie kön­nen Kinder ihren Eltern mit deren Verhalten helfen? Ich habe oft diesen Konflikt erlebt: Unser Kind, unser Sohn, 13 Jahre alt, hat Proble­me mit Hausaufgaben. Ich möchte helfen, aber es ist immer ein Kampf. Ich kann ihm also sagen: Dein Vater möchte dir helfen. Er ist bereit, sich dafür ein, zwei Stunden Zeit zu nehmen. Aber wir streiten uns. Kannst du sagen, was ich falsch mache? So muss man fragen. Und dann sagt das Kind: Mmmm … weiß ich nicht. Und dann sagt man: Ich glaube, dass du es weißt. Du kannst es sagen. Und 90 Prozent der Kinder ant­ worten: Papa, wenn du mir hilfst, fühl ich mich dumm.

Wie kommt das?

Bei manchen Eltern kommt das tatsächlich, weil sie sagen: Bist du dumm! Aber bei den meisten ist das Problem eher umgekehrt: Wenn der Junge sagt, er kann es nicht, sagen die Eltern: Doch, das schaffst du! Ich helf dir, komm! Und dann erlebt das Kind: Ich kann es doch nicht. Also muss ich dumm sein. Erst wenn man darüber redet, kann das Kind sagen: Ich möchte deine Hilfe, aber kannst du ein bisschen langsamer machen? Oder: Warum bist du böse, Papa?

Aber die Eltern sind ja nicht böse, sie nehmen es nur sehr wich­tig. Also: Entspannen Sie sich. Es geht hier um Unterstützung, nicht um Verantwortung. Man lernt dabei etwas Neues über sich selbst. Und man kann seinen Kindern geben, was sie sich am meisten wünschen – denn das ist gar nicht nur Liebe. Kinder wollen sich als wertvoll für unser Leben erleben. Und wenn ich meinem Kind nach vier Wochen Krach um die Haus­ aufgaben oder die Piercings sage: „Jetzt erzähl ich dir, was ich da über mich gelernt hab. Ich danke dir dafür.“ Dann ist das der Him­mel für ein Kind.