Ein Gespräch mit Jesper Juul im Freitag vom 15. März 2012

Aus einem Gespräch mit Jesper Juul (gut zu sehen, dass die Aussage: “Du schaffst das schon!” nicht wirklich hilfreich ist…):

Die Frage war aber: Wie kön­nen Kinder ihren Eltern mit deren Verhalten helfen? Ich habe oft diesen Konflikt erlebt: Unser Kind, unser Sohn, 13 Jahre alt, hat Proble­me mit Hausaufgaben. Ich möchte helfen, aber es ist immer ein Kampf. Ich kann ihm also sagen: Dein Vater möchte dir helfen. Er ist bereit, sich dafür ein, zwei Stunden Zeit zu nehmen. Aber wir streiten uns. Kannst du sagen, was ich falsch mache? So muss man fragen. Und dann sagt das Kind: Mmmm … weiß ich nicht. Und dann sagt man: Ich glaube, dass du es weißt. Du kannst es sagen. Und 90 Prozent der Kinder ant­ worten: Papa, wenn du mir hilfst, fühl ich mich dumm.

Wie kommt das?

Bei manchen Eltern kommt das tatsächlich, weil sie sagen: Bist du dumm! Aber bei den meisten ist das Problem eher umgekehrt: Wenn der Junge sagt, er kann es nicht, sagen die Eltern: Doch, das schaffst du! Ich helf dir, komm! Und dann erlebt das Kind: Ich kann es doch nicht. Also muss ich dumm sein. Erst wenn man darüber redet, kann das Kind sagen: Ich möchte deine Hilfe, aber kannst du ein bisschen langsamer machen? Oder: Warum bist du böse, Papa?

Aber die Eltern sind ja nicht böse, sie nehmen es nur sehr wich­tig. Also: Entspannen Sie sich. Es geht hier um Unterstützung, nicht um Verantwortung. Man lernt dabei etwas Neues über sich selbst. Und man kann seinen Kindern geben, was sie sich am meisten wünschen – denn das ist gar nicht nur Liebe. Kinder wollen sich als wertvoll für unser Leben erleben. Und wenn ich meinem Kind nach vier Wochen Krach um die Haus­ aufgaben oder die Piercings sage: „Jetzt erzähl ich dir, was ich da über mich gelernt hab. Ich danke dir dafür.“ Dann ist das der Him­mel für ein Kind.

Eltern zocken Egoshooter

“Aufklärung in Köln: Eltern spielen einen Abend lang Killerspiele. Manche Jugendliche fürchten sich jedoch vor zu viel Annäherung.”

Ein medienpädagogisches Projekt in Köln. Ein interessanter Bericht zu einem lange überfälligen Projekt.

>>Hier gehts zum Link auf Zeit.de<<

Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet!!! ??????????

…. der geschlagen hat…. aber stets demjenigen, der geschlagen wurde!!!!!!!!!!!

Interessant ist ein Artikel auf www.stern.de zum Thema Gewalt gegen Kinder. Unabhängig von der Feststellung, dass eine Ohrfeige in jedem Fall die Folge einer aggressiven Machtausübung gegenüber dem Kind ist und schon die erste Ohrfeige die Schwelle für weitere Gewaltausübung senken kann, wird darauf hingewiesen, dass Ohrfeigen und Schütteln von Kindern sehr häufig den Tod zur Folge haben können.

Noch viel interessanter sind allerdings die Kommentare der Leser, die eine Bandbreite von reflektiert bis gnadenlos selbstbezogen und die Gewalt gegen Kinder rechtfertigend widerspiegeln…

Zu den nachdenklichen Kommentaren zählt dieser hier:

Oasegmbh (11.3.2008, 15:26 Uhr)

unfassbar…

Ich muss zugeben, dass ich mehr als fassunglos ob der Diskussion hier im Forum bin.Auch wenn der Artikel journalistisch in der Tat absolut drittklassig ist – woran auch die offensichtliche Polemik des Autors nichts ändert – ist das Thema an sich aufgrund der heutigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – sinkender Stellenwert der Familie, höhere Scheidung- und Trennungsraten, Zunahme von Patch-Work-Familien, berufliche, finanzielle und perspektivische Unsicherheit in Teilen der Bevölkerung, Abbau von sozialen Leistungen, Reduzierung von hilfestellenden Einrichtungen etc – aktueller denn je.Und da kann man nur festhalten und immer wieder betonen, dass jedes Kind (wie Mensch im allgemeinen) ein Recht auf körperliche Unversertheit hat – Punkt aus. Jeder Erwachsene, der nicht in der Lage ist, Konfikte mit einem Schutzbefohlenen auf verbale Art und Weise zu lösen, legt ein Armutszeugnis ab.

Wer sich dann auch noch hinstellt und dieses unsägliche und erbärmliche Verhalten verteidigt, hat in meinen Augen in fundamentalen Aspekten der Erziehung versagt.Vor allem die Logik, das ein paar Schläge, Back- oder Ohrpfeifen einem Kind nicht schaden würden, hinkt nicht nur meilenweit, sondern ist auch mehr als fahrlässig. Fragen Sie doch anders herum: Warum traue ich mich, mein Kind zu schlagen, nicht aber Freunde, Arbeitskollegen oder Nachbarn? Warum schlage ich genau die Menschen, die nicht nur vollkommen hilflos sind, sondern darüber hinaus mich/uns als Vorbildfunktion nehmen?Ansonsten bitte ich diejenigen Lautsprecher hier, die klar Stellung zum Thema ‘körperliche Züchtigung bei Schutzbefohlenen’ beziehen, beim nächsten Mal ihrem nervigen Chef, der schon wieder mit Extra-Arbeit kommt oder der quasselnden Sekretärin, die nicht schnell genug tippt, einfach mal ein paar zu knallen.

Schaden wird es ihm/ihr mit Sicherheit nicht, ganz im Gegenteil, er/sie kennt es ja schon aus der Kindheit und kann positiv darauf reagieren (Polemik aus)…

Ich kann nur sagen, ich bin unendlich stolz, eine Erziehung genossen zu haben, in der ich NIE angefasst wurde, wenn ich es nicht wollte. Gleichzeitig spüre ich eine solch innige Nähe und unglaubliche Vertrautheit zwischen mir und meinen Kindern, die ich NIE im Leben durch ein paar ach so harmlose Backpfeifen aufs Spiel setzen würde… Niemals!

Oder:

 

ganzbaf (11.3.2008, 14:48 Uhr)

Das ist alltägliche Pervesion:

Wehrlose Kinder und Kleinkinder zu schlagen ist für viele legitim. Wenn ich einen anderen Erwachsenen eine langen will, ist das natürlich tabu und strafbewehrt.

Bedenklich stimmt hingegen ein anderer Kommentar, der wie so oft, die selbst erfahrene Gewalt rechtfertigt und als probates Erziehungsmittel gegen Kinder preist:

Alex64 (11.3.2008, 17:42 Uhr)

euridike

… wenn ein Erwachsener mich “Arschloch” nennt, hat er die Folgen zu tragen (zumindest eine Anzeige nach 185 StGB) – und ein Kind eben auch. Bein nächstenmal werden sich das beide überlegen. Versprochen.Und ich bin mir nicht gar so sicher, ob man seinem Kind wirklich eine “gute” Erziehung angedeihen lässt, wenn man ihm nicht klarmacht, das für Fehlverhalten Sanktionen zu erwarten sind.Ausserdem ist es wie mit allem anderen auch: Die Menge macht das Gift – und eine “körperliche Züchtigung” in angemessener Form als letztes Mittel ist noch lange keine Mißhandlung. Eher schon das, was bei Sendungen wie der “Supernanny” abgeht. Oder bei “Teenager ausser Kontrolle” oder solchen Dingen.Ganz ehrlich? Solche Dinge wären in meinem Elternhaus nicht passiert – und ich weiss heute noch, warum ich die jeweilige Tracht “Hosenboden voll” verdient hatte.