Jugend und Kommunikation – ein interessanter Befund

einer Soziologin:

Hunderte der Jugendlichen, die Turkle interviewte, sind einsam und fürchten sich gleichzeitig vor Nähe. Deshalb bauen sie einen elektronischen SMS- und Instant-Messenger-Schutzwall auf, treffen sich selten und telefonieren nicht, weil sie Angst davor haben, der Echtzeit schutzlos ausgeliefert zu sein. Sie sehnen sich nach Geborgenheit, nach einer Auszeit. Aber sie kommen nicht weg von ihren Zweit- und Drittidentitäten, die sie im Netz kreiert haben und pflegen müssen. Facebook ist für viele von ihnen zu einer Bestie geworden, die permanent gefüttert werden muss; zum großen Vielfraß, der Zeit, Selbstständigkeit und persönliche Begegnungen raubt.

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Ein verstörender Befund, dem Daniel Miller, Ethnologe am University College in London, mit seiner Studie über das größte Soziale Netzwerk widerspricht. Miller verherrlicht Facebook nicht, aber er zeigt auf, was es jenseits aller Datenschutzdebatten an Gutem bewirken kann. Sieben Porträts von Menschen aus Trinidad, die er über Monate in ihrem Facebook-Leben begleitet hat, bilden den Kern von Das wilde Netzwerk: Da ist der schüchterne Junge, der es schafft, über das Facebook-Spiel Farmville Anerkennung in seiner Schulklasse zu gewinnen und der seine Klassenkameraden durch ihre Posts auf Facebook erst richtig kennenlernt. Da ist der alte Mann im Rollstuhl, klug und gebildet, der früher wundervolle Reden hielt und heute kaum mehr sprechen kann, auf Facebook aber Gleichgesinnte gefunden hat, mit denen er stundenlang über Politik diskutiert und seiner Einsamkeit entflieht. Und da ist Ajani, eine junge Frau, die permanent auf Facebook postet und ihr Privatleben gerade dadurch schützt, dass sie sich ständig an die Öffentlichkeit wendet.

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